Begegnung auf offener Straße.
Ein Kerl schnellt aus einer Gasse hervor, krallt sich an meiner Jacke fest und hört nicht auf zu betteln. „Gib mir einen Schuss, Mann! Nur einen Schuss!“ Typischer Gassenmensch: lebt versteckt im Dunkeln, kauert am Gemäuer, und alles, an was er denken kann, ist der nächste Schuss. Ich muss seine knöchrigen Arme packen, sie fast wie Zweige zerbrechen, um ihn von mir loszubekommen. Als ich ihn wegstoße und er sich gerade noch fangen kann, bevor er rückwärts umkippt, wird sein Gesicht von Zorn erfüllt. Jene Art von Zorn, die in etwas sehr Hässliches umschlagen kann. Also trete ich ihm mit aller Kraft gegen das Bein, sodass er in die Knie geht, was mir genug Zeit verschafft aus seinem Blickfeld zu verschwinden und an einem anderen Ort mein Glück zu suchen.
Und welcher Ort könnte geeigneter sein etwas Glück zu finden, als die Spielmeile, wo du am Wettschalter ein paar Scheine auf ein Pferd setzen kannst, wo die Automaten tönen und blinken, und wo dich adrett gekleidete Damen zu Roulette- und Pokertischen führen? Aber ich komme nicht weit, da stellt sich mir erneut jemandem in den Weg. Herausgeputzter Typ mit zurückgekämmten Haaren und einer Goldkette um den Hals. Er fragt, ob ich Lust auf ein Spielchen hätte. Ich lehne dankend ab.
„Spielst wohl dein eigenes Spiel.“
Ich sage, dass ich aufgehört habe Spiele zu spielen und dass ich die Dinge nur noch mit heiligem Ernst betreibe. Aber ich muss mir selbst eingestehen, dass auch das nur ein Spiel ist. Und warum nicht ein Spiel spielen, bei dem es nichts zu gewinnen gibt? Am Ende verlieren wir sowieso alles, was wir je besessen haben. Dann doch lieber der Spieler sein, der sein Spiel mit ganzem Herzen spielt, als ein Schattenmensch, der in einer Gasse kauert und nach dem nächsten Schuss giert.