Aufzeichnung eines Stadtstreifers VIII

Abtauchen ins IN-BETWEEN.

Ich sinke in einen Raum zwischen dem, was war und dem, was noch sein kann. Ich sinke in einen Raum zwischen Trübsal und Glückseligkeit. Ich sinke in einen Raum, in dem nichts geschieht und in dem sich doch alles ereignet. Hier in diesem Zwischenraum sehe ich eine alte Dame vollgepackte Einkaufstüten schleppen. Ich sehe einen Mann auf dem Balkon stehen, eine Zigarette rauchend, ins Leere starrend. Ich sehe Krähen aus Baumkronen aufsteigen und Stadtlichter die heranbrechende Nacht erhellen. Fernsehgeplapper dringt aus offenstehenden Fenstern. Die übermütigen Jungs brausen ohne Helm auf ihren röhrenden Mopeds um die Kurven. Und der Mann aus dem Heim, eingehüllt in einen übergroßen Kapuzenpullover aus der Kleiderspende, steht draußen auf dem Bürgersteig, sehnsuchtslos, geduldig. Dazwischen bin ich, der all das bestaunt und die Augen offen hält. Denn alles kann eine Spur sein, die zu neuen Möglichkeitsräumen und Wagnisschwellen führt. Und während ich wachsam umherwandere, kreuzen Fragen meinen Weg. Was will ich wagen? Wer will ich noch werden? Gibt es nur ein Vorwärts oder gibt es auch ein Zurück? Und wer bin ich, wenn ich nirgendwo ankomme? Wer bin ich, wenn ich hängenbleibe in diesem Zwischenraum? Die Fragen bleiben unbeantwortet, während ich beharrlich weitergehe, bis hinaus zum Stadtrand, wo keine Straßenlaternen mehr leuchten und die Dunkelheit den Asphalt verschluckt.

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