Klick!

Wir hatten ‘ne Menge Zeit – damals -, als wären wir uns gewiss, dass wir ewig leben.

Ich weiß schon: all das Gerede über die Zeit ist nichtssagend. Aber genauso war unser Leben damals: nichtssagend. Wir hatten nichts zu sagen, brauchten es auch nicht. Wir wollten nur unterwegs sein, uns vor der Arbeit drücken, vor Verantwortung und dem Altwerden.

Wir haben Steine in die Büsche geworfen. Da steckte kein Sinn dahinter. Die Steine wogen schwer in unseren Händen. Echte Brocken waren das. Und es hat ordentlich geraschelt, als diese Steine in die Büsche sausten. Das hat uns gefallen; und das war auch schon alles.

Wir blieben so lange wie möglich draußen. Zu Hause warteten nur unruhige Träume. Kommt mir heute so vor, als seien sie damals Visionen des Zukünftigen gewesen. Die Zukunft, vor der wir uns drückten.

Dann kam der Tag, da hat es Klick gemacht. Wie ein Lichtschalter, der kippt und das Licht löscht. Ich weiß nicht mehr wann das war, weiß das Datum nicht. Aber an diesem Tag hab‘ ich in den Spiegel geschaut, wie tausend Mal zuvor auch, doch dieses Mal hab‘ ich mich gefragt, wer das ist, wer dieser Typ im Spiegel ist. Zuerst lachte ich, auf verkrampfte Weise, doch dann dämmerte mir: diese Frage macht Schluss mit Allem. Schluss mit dem Steinewerfen. Schluss mit dem Unterwegssein. Schluss mit den endlosen Nächten.

Noch heute frage ich mich, wer dieser Typ im Spiegel ist. Und je öfter ich diese Frage stelle, desto klarer wird es mir. Die Zukunft, vor der wir uns damals drückten, das sind wir selbst.

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